Familienmannschaft von R Group

19.04.2019

Vor sieben Monaten fand in R Group eine Art der Familienzusammenführung statt: Dmitrij, der als Fahrer schon mehr als acht Jahren arbeitet, brachte seine Ehefrau Swetlana in die Firma. Jetzt gibt es die Familienmannschaft, deren Fahrten sich durch die Familienatmosphäre auszeichnen. Wir sprachen mit Swetlana und erfuhren über ihren entscheidenden Schritt in die Welt des Transports und ungewöhnliche Dinge, die unterwegs passieren, sowie darüber, ob man die Romantik während der Fahrt spüren kann.

 - Warum haben Sie sich entschieden, als Fernfahrerin zu arbeiten?

- Dieser Beruf war für mich ziemlich interessant. Ich bin so ein Mensch, der immer wieder etwas Neues ausprobieren will. Früher habe ich gedacht, dass ich ein Angsthase bin. Jetzt verstehe ich, dass es nicht so ist.

Da die Kinder erwachsen sind und die Enkelin schon 10 Jahre alt ist, haben ich und mein Ehemann gedacht, dass es eine gute Idee ist, zu zweit zu reisen. Ich habe in unterschiedlichen Bereichen – von der Stickerei bis zum Bau – gearbeitet, aber noch nie in meinem Leben habe ich einen LKW gefahren. Ich habe verschiedene Berufe wie z. B. Teppichweberin, Friseurin, Buchhalterin, Verkäuferin ausprobiert; ich habe viel gelernt und mich gesucht. In der Freizeit mache ich selber Haarklammer, flechte Körbe und sogar Leuchter.

- Früher hatten Sie nie einen LKW gefahren. Das war Ihre erste Erfahrung. War es schwer zu lernen?

Es ist ziemlich merkwürdig, aber es war nicht schwer, das Fahren zu lernen. Alles hängt von dem Fahrlehrer ab. Ich habe Glück gehabt, dass ich mit gutherzigen und ruhigen Menschen gearbeitet habe. Sie haben mich aufgemuntert: „Man kann sogar die Bären lehren, das Fahrrad zu fahren. Sie werden auch lernen, einen LKW zu fahren.“ Aber die Frauen waren hier selten zu finden: Aus drei Gruppen war ich die einzige Frau. Zuerst habe ich den Führerschein der Klasse C erfolgreich bestanden. Das war leicht, und ich konnte mich die Abmessungen des Fahrzeugs genau vorstellen. Aber bei Erwerb der Klasse E, als ich das Zugfahrzeug mit dem Anhänger fahren sollte, habe ich Angst gehabt und mich Gedanken darüber gemacht, ob ich das wirklich brauche. Es hat sich erwiesen, dass ich das brauche. An den ersten zwei Unterrichten war alles schief gelaufen. Ich knallte die Tür hinter mir zu und sagte dem Fahrlehrer, dass er nicht lehren kann. Als ich zum dritten Unterricht kam, dachte ich, dass ich einen anderen Fahrlehrer suchen muss, wenn wieder nichts mehr geht. Am Verkehrsübungsplatz sagte der Fahrlehrer mir, dass ich ins Auto steigen und fahren soll. Ich fragte: „Und Sie? Wohin fahre ich? Wie fahre ich?“ Er stand daneben und führte die Aufsicht: „Rechts. Links.“ In nur 3 Minuten verstand ich alles und parkte selbst das Fahrzeug in der Garage.

- Was haben Sie gefühlt, als Sie zum ersten Mal am Steuer während der Fahrt saßen?

- Zum ersten Mal saß ich am Steuer, als wir in Polen waren. Ich fuhr das Auto nicht lange, etwa eine Stunde. Als wir nach Deutschland kamen, saß ich am Steuer wieder, aber schon für längere Zeit. Mein Ehemann sagte: „Ich habe meine Arbeit beendet. Jetzt bist du dran.“ Wie zum Trotz wurde dort die Straßensanierung durchgeführt. Die Straßen waren sehr eng. Ich fuhr und piepste. Ich hatte große Angst. Als ich 4 Stunden gefahren bin, fühlten sich meine Arme und Beine wie Pudding an. Die Fahrt hinterließ bei mir einen starken Eindruck. Ich hatte mehr Adrenalin als beim Lernen. Und jetzt streiten wir uns sogar, wer zuerst fährt.

- Gab es etwas, was Sie in der Arbeit des Fahrers überrascht hat?

- Mich überrascht nicht die Arbeit selbst, sondern die Umgebung – Länder mit ihren Straßen, ungewöhnlichen Tunneln, Bergen. Und das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Mit der Zeit wird sich dieses Gefühl verflüchtigen, aber jetzt begeistert mich alles, sogar ein großes und neues Fahrzeug.

- Wie bringen Sie Beruf und Hausarbeit unter einen Hut?

- Ich habe das noch nicht probiert. Im Herbst und Winter war alles in Ordnung, um im Frühling wird es schwer sein. Man muss den Gemüsegarten pflegen, die Erde bebauen, meiner Mutter (sie ist 70 Jahre alt) helfen.

- Wie haben Ihre Verwandten auf Ihre Berufswahlentscheidung reagiert?

- Sie haben daran nur vor kurzem geglaubt. Meine Töchter wissen, dass ihre Mutter stark und arbeitsfreudig ist. Die Enkelin vermisst mich sehr, als ich wegreise. Und meine Mutter war schockiert, versuchte aber nicht, mich von meinem Vorhaben abzubringen. Sie verstand, dass es sinnlos ist. Die Meinungen meiner Freunde sind geteilt: Einige verstehen nicht, wie das sein kann, die anderen sagen, dass ich brav bin.

Während meiner Einarbeitungszeit hatte ich mit Angst und Unsicherheit zu tun. Um mich herum waren nur Männer. Sie konnten denken, dass ich wahnsinnig bin, weil ich diesen Beruf gewählt habe. Aber meine Freundin unterstützte mich: „Wenn dir das gefällt, dann behalte es so bei.“

- Und wie reagieren die Männer, wenn sie sehen, dass die Frau am Steuer sitzt? Viele Männer finden es doch ungewöhnlich, dass die Frau einen KLW fährt.

- Damit sind viele komische Geschichten verbunden. Am 23. Februar fuhren wir nach Samara. Es war gerade meine Schicht, und ich saß am Steuer. An der Ampel wandte ich das Fahrzeug um 90 Grad und fuhr an allen hintereinander stehenden LKWs vorbei. Da war der Teufel los: „Haben Sie gesehen? Eine Frau sitzt am Steuer. Das ist echte Wunder, so was zu sehen!“

Wenn die Männer per Funkgerät eine weibliche Stimme hören oder mich am Steuer sehen, beginnen sie anders – also fair, höflich, ohne Schimpfwörter – miteinander zu kommunizieren.

Es war einmal im Winter, mein Auto hatte sich im Schnee festgefahren. Ich konnte nicht fahren. Ich versuchte ein paar Mal, aber nichts passierte. Andere Fahrer kamen zu mir und zeigten, wohin ich das Steuer führen soll. In ein paar Sekunden war alles in Ordnung.

Die Männer sind in der Regel höflich und warmherzig. Selten verhalten sie sich aggressiv mir gegenüber.

- Sie mit Ihrem Mann sind Partner im Leben und im Unternehmen. Wie halten Sie das aus? Gibt es keine Streitigkeiten?

- Alle stellen diese Frage an mich. Und ich antworte, dass die Eheleute, die zusammen im Büro arbeiten, auch zusammen im Leben und im Unternehmen sind. Bei uns gilt das Gleiche. Ich war drei Tage allein zu Hause, während mein Mann eine Fahrt ohne mich unternahm. Und ich vermisse ihn schon. Wir sind einander nicht lästig. Mein Mann ist ein sehr ruhiger Mensch, deshalb wird er unterwegs nicht gereizt. Wenn ich müde bin, schont er mich und arbeitet mehr. Er verhält sich also wie ein Mann.

- Wohin haben Sie gefahren? Welche Städte und Länder gefallen Ihnen am besten?

- Wir waren in Italien, Belgien, Deutschland, Polen, Österreich, Frankreich, in der Slowakei und in den Niederlanden.

Italien ist ein Land von Bergen und Tunneln. Aber dieses Land begegnete uns übel: Die Temperatur betrug +6 Grad. Es war kalt, und es regnete. Paris gefiel mir nicht. Diese Stadt ist grau und neblig. Die Straßen sind schmutzig, es gibt viele Obdachlose, die in Kisten leben. Die Niederlande machten einen großen Eindruck auf mich. Das ist ein Land des Wassers mit einer enormen Anzahl von Kanälen. Dort habe ich zum ersten Mal in meinem Leben so viele Gänse gesehen: Statt dem grünen Gras ist eine graue Vogelwolke.

- Gab es unterwegs ungewöhnliche Dinge, an die Sie sich lange erinnern werden?

- Es war sehr „ungewöhnlich“, als ein Rad des vorausfahrenden Fahrzeugs explodierte und seine Reste unter die Räder unseres Autos kamen. Damals saß ich am Rad. Ich schrie vor Angst und Entsetzen auf, als ich das Kratzgeräusch hörte. Mir ist es gelungen, das Fahrzeug weiter zu führen. Alles war OK. Aber nach diesem Fall habe ich Angst davor, zu nah an das vordere Fahrzeug aufzufahren. Früher hielt ich etwa 10 Meter Abstand, und mein Mann sagte, dass ich weit weg fahre und dass alle uns vorfahren. Aber jetzt kann ich noch einen größeren Abstand halten, und mein Mann sagt mir nichts dazu.

- Was nehmen Sie immer mit? Was sind Dinge, ohne die Sie nicht auskommen würden?

- Ich nehme immer die Kosmetik mit. Die Polen auf der Grenze wundern sich darüber, was ich bei mir habe. Ich bin doch eine Frau, deshalb achte ich auf mein Äußeres. Ich nehme alles mit, was ich brauche, nämlich Tonikum, Lotionen, Fön, Creme. Wir nehmen auch die Spielzeuge mit, viele davon gibt uns die Enkelin. Wenn ein Spielzeug mit uns schon unterwegs war, wechselt sie es durch ein anderes Spielzeug, damit es sich auf eine Reise macht. Sie hat eine Lieblingspuppe Manja, die zu ihrem ersten Geburtstag geschenkt war. Es sind schon 9 Jahre vergangen, aber sie spielt noch damit. Unsere Enkelin möchte sehr Frankreich besuchen, das ist ihr Haupttraum. Als wir nach Frankreich fuhren, gab sie uns diese Puppe und sagte: „Sie kommt dann und erzählt alles mir.“

Wir nehmen auch ein kleines TV-Gerät, CDs und einen USB-Stick mit Filmen mit. Mit gefällt es, den Eiskunstlauf zu sehen.

Ich höre mit Fahrten nicht auf, solange die Romantik während der Reisen herrscht.

Wir wünschen jedem Fahrer ein bisschen Romantik und Familienwärme während der Fahrt.