Jurij Schardyko: „Ich war so beeindruckt, dass ich danach schrie im Schlaf: „Bremse! Schließe! Rechter Randstreifen!“

15.01.2019

Sie fahren in Personalkraftwagen, sehen geschäftlich super aus und begleiten Sattelzüge während der ganzen Fahrt. Sie sind weder Personenschützer noch Agenten 007, obwohl deren Arbeit auch verantwortungsvoll und gefährlich ist, sondern Fahrer der Begleitfahrzeuge. Mit einem von ihnen – Jurij Schardyko – haben wir gesprochen, um zu erfahren, wie ist es – „Augen und Öhre“ der Fernlastfahrer zu sein.

- Jurij, wie gerieten Sie in die R Group?

- Ich hatte einen kleinen Traum, Fahrer zu werden. Ich wollte aber als Fernlastfahrer mit einem Sattelzug nicht fahren, sonst sollte ich fern von meiner Familie sein. Ich plante, am Steuer zu bleiben, aber mehr Zeit mit der Familie zu verbringen.

Vorher arbeitete ich als Fahrer beim Direktor eines Unternehmens für Gemeinschaftsverpflegung der Auszubildenden. Danach war ich beim Betrieb für Herstellung der Holzbearbeitungswerkzeuge tätig. Da begann ich die Arbeit als Wächter und endete als Leiter für Holzbearbeitungsproduktion. Ich bin ein schneidiger Kerl, so konnte ich das auch ohne Hochschulbildung erreichen.

- Von welchem Beruf schwärmten Sie in der Kindheit?

- In der Kindheit wollte ich auch Fahrer werden. Im frühen Alter saß ich mich ans Steuer: auf den Knien des Vaters – seit 10-12 Jahren, und selbständig schon seitdem ich 14 wurde. Natürlich fuhr ich nicht durch die Stadt, sondern durch Felder. Und nach dem Wehrdienst beim Innenministerium legte ich die Führerscheinprüfung und begann, ein Auto „offiziell“ zu fahren.

- Erklären Sie, worin besteht die Arbeit eines Fahrers des Begleitfahrzeugs?

- Fahrer des Begleitfahrzeugs ist „Augen und Ohren“ des Fahrers. Wenn der Sattelzugfahrer „zieht“ zum Beispiel eine breite Ladung, so kann er an Spiegeln hinten nicht alles sehen, und wir korrigieren dann seine Bewegung und sichern ihn ab. Eine großvolumige Ladung ist eine große Verantwortung. Der Sattelzug wird von einem Führer vorne und vom zweiten Führer hinten begleitet. Wir heben Tabellen, schalten Rundumkennleuchten ein und machen uns auf den Weg.

Mir blieb in Erinnerung eine Fahrt, als wir ein Sperrgut befördert haben: Höhe etwa 6 Meter, Breite fast 5 Meter, Länge etwa 28 Meter. Du fährst und fühlst, dass hinter dir eine riesengroße Ladung ist. Die Gefühle waren einfach eine „Bombe“!

Die Arbeit ist super, der einzige Nachteil – keine Stabilität: einen Monat oder sogar eineinhalb Monat kann ich zu Hause sitzen. Es wäre gut, wenn ich mindestens 15 Tage von 30 bei den Fahrten eingesetzt wäre. Wir arbeiten außerhalb eines Zeitplans, streng am Telefon.

- Erzählen sie über Ihre erste Fahrt. Welche Emotionen haben gefühlt?

- Es scheint mir, ich war nie im Leben so ermüdet: eine lange Fahrt, schnelles Tempo – daher so viele Emotionen. Ich war so beeindruckt, dass ich danach schrie im Schlaf: „Bremse! Schließe! Rechter Randstreifen!“ Meine Ehefrau hat mir erzählt und gelacht.

- Was gefällt Ihnen an der Arbeit eines Fahrers?

- Die Fahrerarbeit ist für mich ein Traum von der Kindheit an habe ich danach gestrebt. Dank dieser Arbeit habe ich das ganze Russland, einen Teil Europas – Polen, Deutschland – gesehen.

- Glauben Sie an irgendwelche böse Fahrervorzeichen?

- An Vorzeichen glaube ich nicht und bin nicht im Aberglauben. Die Hauptsache ist Achtung auf der Straße und Verantwortung. Aber meine Ehefrau räumt zu Hause am Tage meiner Abfahrt nie auf. Das ist ihr eigenes Vorzeichen.

- Was machen Sie in der Freizeit?

- Meine Hingebung ist Angeln. Das Interesse erhielt ich vom Vater, er ein großer Angelfreund mit 15-jähriger Erfahrung. Meine Schwäche – Sommerangeln, Eisangeln mag ich nicht. Wir fahren mit der Familie ins Grüne: Fischen, Fischsuppe, Schaschlik.

Mein Hobby habe ich meinen Kindern nicht weitergegen, jedes von ihnen hat sein eigenes Hobby: die Tochter besucht eine Tanzschule, der Sohn treibt Ringkampfsport, fährt durch ganzes Europa und Belarus zu Wettkämpfen. Ich gewöhne ihm Selbstsicherheit an: Im Leben ist es sehr wichtig.

- Welche Pläne haben Sie für das Jahr 2019?

- Im Jahre 2019 habe ich vor, die Führerscheinklasse D zu erhalten. Ich möchte mich entwickeln und neue Möglichkeiten für Selbstverwirklichung zu öffnen.

Und auf die Frage über Lieblingswege antwortet Jurij einfach: Mein Lieblingsweg ist der Weg nach Hause. Und das ist vielleicht die beste Antwort!